Szene aus »100 Jahre Ufa« © SWR

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100 Jahre Filmgeschichten, Tausende von Kilometern Filmrollen, Hunderte von Filmen, zig Firmenpleiten und Wiederbelebungsgeschichten. Die Geschichte der Ufa zum 100. Geburtstag der (einst) großen deutschen Film-Traumfabrik in 45 dokumentarischen Minuten zu erzählen, ist unmöglich. Die erfahrene Filmemacherrn Sigrid Faltin schafft’s dennoch. Der SWR zeigt die spannende, unterhaltsame und, jawohl, lehrreiche Dokumentation bis zum 19. März 2018 in seiner Mediathek.

Szene aus »100 Jahre Ufa« © SWR
Szene aus »100 Jahre Ufa« © SWR

Gesichter der heutigen Ufa: Schauspielerin Nadja Uhl (oben), Ufa-Chef Nico Hoffmann (unten) © SWR

Womit anfangen, was nicht verschweigen, wen fragen und vor allem was streichen? Geburtstagsfilme zu Institionen, Persönlichkeiten und Firmen sind ein dankbares Metier – und doch der Graus jedes Filmemachers. Vor allem dann, wenn es auch noch um eine Filmfirma geht. Und dann auch noch um die Ufa. Man stellt sich da im Geiste vor, wie der/die angehende Filmerzählerin nächtelang und über Monate hinweg ins dunkle Heim gesperrt ist. Film und Film, aus dem Archiven herangekarrt oder heute auch gestreamt, wollen gesichtet werden. Ausschnitte müssen gefunden, Stars will man zeigen, Geschichte erzählen, die Geschichte schrieb. Doch wo ist er nur, der rote Faden?

Bei der zumeist für den Südwestrundfunk tätigen Filmemacherin Sigrid Faltin muss man sich in diesen Dingen allerlei wenig Sorgen machen. Die erfahrene Dame erzählt mit Leichtigkeit mal das Leben großer Theaterstars, mal vom Selbstversuch mit veganem Essen. Immer findet sie in ihren Dokumentationen einen leichtfüßigen Weg durch ihre Story ohne dabei nur an der Oberfläche der Themen zu hüpfen.


Maschinenraum des deutschen Films – 100 Jahre Ufa (SWR-Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 19. März 2018)

Auch bei »100 Jahre Ufa« ist ihr das wieder gelungen. Die 45 Minuten kurzen Würdigung der deutschen Filmgeschichte mit Blick vor allem eben auf die Geschichte der 1917 gegründete Universum Film AG (heute: Ufa GmbH im Bertelsmann-Konzern), ist ein kluger Schnelldurchlauf durch ein Jahrhundert Firmen- und Filmgeschichte. Natürlich beginnt es mit Erich Ludendorff, dem deutschen General unter Paul von Hindenburg, der die Gründung der Filmgesellschaft als »dringende Kriegsnotwendigkeit« anordnete. Dann geht es rasant weiter. Ein paar Momente sind wir bei Fritz Lang, dann schon beim Kulturfilm, der zu einem ersten Markenzeichen der frühen Ufa-Jahre wurde. Irgendwann taucht der »blaue Engel« auf – die Premiere von Marlene Dietrich. Doch schon dampft die Ufa in ihr dunkelstes Kapitel: Goebels unterwirft die Firma, löst die internationalen Verflechtungen und träumt vom arischen Hollywood.

Alles das erzählt Sigrid Faltin so, als ob man dabei gar nichts vermissen müsste. Selbst die großen Stars, denen man sonst gerne lange Filmminuten widmet, weil sie das Publikum so schön sentimental hinterlassen, haben nur sekundenkurze Auftritte. Mal trällert Heinz Rühmann, mal säuselt die Dietrich. Hans Albers fliegt nur im Standbild durch die Luft. Faltins Film will kein Konserven-Nostalgiekino sein, sondern Geschichts-Dreiviertelstunde.

Und da gibt es viel zu erzählen. Wie zum Beispiel die Ufa nach dem Niedergang des Nazi-Wahnsinns der Zerschlagung entgeht. Das ist wirklich ein Krimi, der selten gezeigt wird. Im Osten entsteht die Defa und im Westen, obwohl sie aufgelöst werden soll, eine neue Ufa. Den geheimen Plänen der Adenauer-Regierung gibt der Film mehr Raum als großen Stars im Rampenlicht – und das ist erhellender als manches Staralbum.

Gegen Ende zeigt dann der neuen und aktuelle Ufa-Chef Nico Hofmann, wie weltgewandt die heutige Ufa geführt wird. Er nutzt elegante Worte wie »Firmen-Legacy« und den »Nico-Hofmann-Move«, aber was ihn viel mehr auszeichnet: Er kann auch Fehler eingestehen. Die Produktion »Unsere Mütter, unser Väter« von 2014 – künstlerisch ein großer Erfolg – war aufgrund historischer Ungenauigkeit politisch angegriffen worden. Hofmann kann zum Abschied aus 100 Jahren Ufa eingestehen, das beim nächsten Mal anders zu machen.

Vieles hätte in 100 Jahre Ufa anders laufen können, anders laufen müssen. Da ist ein Zwist über die politische Deutung der deutsch-polnischen Beziehungen noch das geringste Problem. Das in 45 Minuten auf interessante und zugleich unterhaltsame Art aufgezeigt zu haben, ist ein großes Verdienst dieses kleinen, aber überraschend großen Dokumentarfilmes.

(Thomas Schneider)

 

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