Szene aus »1917 – Der wahre Oktober« © Kathrin Rothe Filmproduktion

»1917 – Der wahre Oktober«

Revolution ist auch eine Kunst: Bei Dokville 2017 schilderte die Filmemacherin Kathrin Rothe ihre Arbeit und künstlerische Freiheit bei der Umsetzung von »1917 – Der wahre Oktober«. Der Dokumentarfilm, der Geschichte mit Animationen erzählt, ist eine filmkünstlerisch ganz einzigartige Neuerzählung der Oktober-Revolution. Und man darf ihn auch einfach mal uneingeschränkt schön finden. Der rbb zeigt bis 22. Mai 2018 in seiner Mediathek die volle 90 Minuten lange Kinofassung dieses Filmes, der belegt, dass man mit Mitteln der Kunst auch Politik erklären kann.
Szene aus »1917 – Der wahre Oktober« © Kathrin Rothe Filmproduktion

Szene aus »1917 – Der wahre Oktober« © Kathrin Rothe Filmproduktion

Mit »1917 – Der wahre Oktober« ist Katrin Rothe eine filmkünstlerische Neuerzählung der Russischen Revolution gelungen. Abseits der üblichen und bereits zahllos verwendeten zeitgenössischen Bilder, die man zu genüge aus anderen Filmen kennt und oftmals aus szenischen Produktionen stammen, wurden ausschließlich Originalaufnahmen verwendet; selbst diese machen jedoch nur den kleinsten Teil des Films aus. Rothe setzt Trickfilm bzw. Animation als führendes Stilmittel ein um eine Brücke zu schlagen, zwischen dem teils bisher unbekannten Quellenmaterial aus Tagebüchern, Berichten oder literarischen Werken, und der filmischen Umsetzung bzw. einer damit einhergehenden Bildknappheit. Nicht nur durch den Einsatz neuer visueller Ansätze innerhalb dieser polithistorischen Thematik, ebenfalls mithilfe einer originellen Erzählstruktur erreicht Katrin Rothe mit ihrem Film ein Publikum, dass sich üblicherweise einen solchen Film nicht unbedingt anschauen würde, aufgrund der zugänglichen künstlerischen Umsetzung, dem Ganzen jedoch mitunter offener gegenübertreten kann.

»1917 – Der wahre Oktober« (rbb-Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 22. Mai 2018)

Bei Dokville 2017, dem vom Haus des Dokumentarfilms Ende Juni ausgerichteten Branchentreff in Stuttgart, berichtete Kathrin Rothe von positiven Erfahrung im Umgang mit alternativen Erzählformen. Sie schilderte, dass sie die inhaltliche und visuelle Umsetzung der Animation ohne ein Einmischen oder Vorgaben des beteiligten Senders angehen konnte. Als Inspiration für die Stop-Motion-Animationen dienten vor allem zeitgenössische Kunst, Postkarten-Motive oder unveröffentlichte Filmaufnahmen, insbesondere amerikanische Archivaufnahmen, die bis heute unter Verschluss gehalten wurden. Herausgekommen ist eine wunderschöne Ästhetik und Details in den Papierfiguren und Szenenbildern, die einen gänzlich neuen Blick auf die damaligen Ereignisse erlauben. Wenn sie davon spricht, dass für sie »Trickfilm nicht nur Fantasie, sondern vor allem ein tolles Ausdrucksmittel« ist, lässt sich erahnen, dass solch eine Herangehensweise im Dokumentarfilm für Katrin Rothe zur gängigen Praxis geworden ist.
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