Szene aus »Amma und Appa« © ZDF/WDR/BR/HFF

Online-Tipp: Amma und Appa – Culture Clash zwischen München und Indien

Zwischen Bayern und Indien gibt es mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt. Oder sind es nur die gleichen Mechanismen, die wirken, wenn Eltern ihre Kinder in die Hände eines zukünftigen Schwiegersohn oder einer Schwiegertochter legen sollen? Vom Zusammentreffen der Kulturen beim Loslösen der Generationen handelt der in München entstandene Dokumentarfilm »Amma & Appa«. Er handelt von zwei jungen Verliebten – sie aus Bayern, er aus Indien. Und von ihren Eltern. 3sat zeigt den Film von 2014 bis 14. Juli in seiner Mediathek.

Wenn junge Filmemacher ein Thema für einen Film suchen, dann landen sie meistens ziemlich schnell bei Bekannten, bei Verwandten oder gleich bei sich selbst. Die Ich-Doku ist ein beliebtes Genre geworden, das sich sich beim Zuschauer scheinbar schneller abnutzt, als es aus den Lehrplänen der Filmhochschulen verbannt werden kann. Andererseits sei das gar nicht so schlimm, meint Franziska Schönenberger, die an der HFF in München ihr filmisches Handwerk gelernt hat. Auch sie ist für »Amma und Appa« bei sich selbst gelandet und empfiehlt das als Selbstfindungsprozess: »Die persönliche Außenwahrnehmung, also wie man sich selber wahrnimmt, wird auf den Kopf gestellt.«

Auf den Kopf stellen, Widersprüche aufzeigen, Gegensätzliches vor der Kamera zusammen zu bringen – das ist natürlich ein zeitgemäßer Ansatz für das dokumentarische Filmemachen. Und so wird die Selbstfindung nicht nur gefilmt, sondern quasi auf die dialektische Spitze getrieben. Sei es in »Sound of Heimat«, wo ein Neuseeländer deutsche Volksmusik entdeckt, oder in »Beerland«, wo ein Amerikaner deutsche Bierseeligkeit ergründen will. Beides übrigens durchaus gelungene Exemplare eines dokumentarischen Films, der emotionalisieren und zugleich unterhalten will.


Amma und Appa (3sat-Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 14. Juli 2018)

Franziska Schönenberger erzählt in diesem Dokumentarfilm ebenfalls ihre eigene Geschichte, die mit einem anständigem Drehbuch auch zu einer humorvollen Culture-Clash-Komödie passen würde. Franiska hat sich in München in Jay verliebt, einen Tamilen, der in Wirklichkeit Jayakrishna Subramanian heißt. Als die beiden heiraten wollen, beginnt eine ganz besondere Bildungsreise: Franziska und Jay wollen ihre jeweiligen Eltern überzeugen, dem Paar ihren Segen zu geben. Das ist bei seinen Eltern überraschend schwieriger als bei ihren. Und so reisen die Münchner mit zukünftigem Schwiegersohn nach Indien zwecks gegenseitigem Kennenlernen. Das wiederum bietet natürlich schöne Bilder (sechs Menschen in Trachten im indischen Fotostudio) und bringt erstaunliche Erkenntnisse (der strenge Vater von Jay befürchtet vor allem pizza kurier , dass sein Sohn von Alkohol verdorben werden wird).

Der Film lief Anfang 2014 bei der Berlinale im Programm Perspektive Deutsches Kino und beim im gleichen Jahr auch beim Münchner DOK.fest. Der Film war eine Koproduktion der HFF München mit dem Bayerischen Rundfunk, dem ZDF und dem WDR und hatte im Herbst 2014 seinen Einsatz in den deutschen Kinos.

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