Berlinale 2022: Programmpräsentation von Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian (Foto: Dirk Michael Deckbar)

Ausblick: Dokumentarisches bei der Berlinale 2022

Nach einem starken Dokfilm-Auftritt 2021 mit „Una película de policías | A Cop Movie“ und „Herr Bachmann und seine Klasse“ konkurriert in diesem Jahr ein Dokumentarfilm im Wettbewerb um die begehrten Bären: „Everything Will Be Ok“ von Rithy Panh. 

Key Visual der Berlinale 2022: Weißer Bär mit Brille auf farbigem Grund
Das Key Visual der Berlinale stammt erneut von Claudia Schramke, die schon 2021 den Bären visualisierte

Berlinale trotz(t) Pandemie

„Wir sind froh, dass wir für das Festival 2022 ein Konzept entwickeln konnten, das ein Präsenzfestival ermöglicht. In Zeiten der Pandemie ist das nicht selbstverständlich“, betont Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek bei der virtuellen Programm-Präsentation mit dem künstlerischen Leiter Carlo Chatrian am 19. Januar. Geplant seien eine Durchführung des Festivals in Präsenz – allerdings unter verschärften 2G+ Regeln, mit geringerer Platz-Kapazität in den Kinos und mit weniger gezeigten Filmen (circa 20 % weniger als 2020).

Der European Film Market (10.-17.02.2022) wird rein digital realisiert, genau wie der Berlinale Co-Production Market (12.-16.02.2022), Berlinale Talents (12.-17.02.2022) und der World Cinema Fund Day. Die Verleihung des Goldenen und Silbernen Bären sowie des GWFF-Preises Bester Erstlingsfilm und des Berlinale-Dokumentarfilmpreises findet bereits am Abend des 16. Februar statt. Vom 17. bis 20. Februar gibt es Wiederholungsvorstellungen.

„Everything Will Be Ok“ von Rithy Panh im Wettbewerb

Nach der Eröffnung am 10. Februar 2022 mit François Ozons „Peter von Kant“ mit Isabelle Adjani laufen die Premieren bis zum 16. Februar in den verschiedenen Berlinale-Kinos. Im Wettbewerb konkurrieren dabei 18 Filme aus 15 Ländern um den Goldenen und mehrere Silberne Bären – darunter mit „Everything Will Be Ok“ von Rithy Panh auch ein Dokumentarfilm als Weltpremiere. Der kambodschanische Dokumentarfilmer war 2020 für „Irradiés“ mit dem Berlinale Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet worden.

Filmstill aus „Everything Will Be Ok“ von Rithy Panh © CDP Anupheap Production
Filmstill aus „Everything Will Be Ok“ von Rithy Panh © CDP Anupheap Production
Filmstill aus „Everything Will Be Ok“ von Rithy Panh © CDP Anupheap Production
2020 gewann Rithy Panh den Dokumentarfilmpreis der Berlinale © CDP Anupheap Production

Angelehnt an „Das fehlende Bild“ aus dem Jahr 2013 kommen im aktuellen Werk Puppenfiguren und Stop-Motion-Technik zum Einsatz. „Wie schon der Titel vermuten lässt, ist eben nicht alles in Ordnung“, betont der künstlerische Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, bei der Kurzvorstellung. Schon der Titel greift den T-Shirt-Aufdruck eines getöteten Jugendlichen auf. Er war bei Protesten gegen den Militärputsch in Myanmar ums Leben gekommen. Inhaltlich soll „Everything Will Be Ok“ Themen wie Totalitarismus vs Demokratie sowie neue Formen der Kommunikation behandeln.

Dokumentarisch stark: Berlinale Special und Encounters

„Das Programm des Berlinale Special umfasst hauptsächlich dokumentarische Formen, die es am besten ermöglichen, unsere Welt und ihr Vermächtnis zu erkunden“, teilen die Veranstalter mit. Inklusive der Berlinale Special Gala finden sich hier 15 Filme, darunter sechs dokumentarische Formate (Lang- und Kurzfilm).

Musiker Nick Cave in Nahaufnahme © Bad Seed Ltd.
Musiker Nick Cave in „This Much I Know To Be True“ von Andrew Dominik © Bad Seed Ltd.
"This Much I Know To Be True" zeigt die Arbeit von Nick Cave und Warren Ellis während der Pandemie © Bad Seed Ltd.
Seine musikalische Arbeit mit Warren Ellis während der Pandemie steht im Fokus © Bad Seed Ltd.
Die Spannweite ist groß und reicht von einem Dokumentarfilm über die Arbeit der Musiker Nick Cave und Warren Ellis während der Pandemie („This Much I Know To Be True“ von Andrew Dominik, Weltpremiere) über einen Film zur Herstellung synthetischer Diamanten („Nothing Lasts Forever“ von Jason Kohn, Weltpremiere) bis hin zu einer ungewohnten Innenansicht der AfD („Eine deutsche Partei“ von Simon Brückner, Weltpremiere). „Wir sind uns sicher: Diesen Film sollte man gesehen und diskutiert haben“, betont Carlo Chatrian mit Blick auf die rbb-Koproduktion. „Eine deutsche Partei“ ermöglicht dem rbb zufolge den „exklusiven Zugang zu zahlreichen Politiker:innen und Gremien auf allen Ebenen“.
Der Film "Eine deutsche Partei" wirft einen Blick nach rechts außen © Spicefilm
Ein Blick nach rechts außen: „Eine deutsche Partei“ © Spicefilm
AfD-Anhänger marschieren auf © Spicefilm
Koproduktionspartner ist der rbb © Spicefilm

Bei den Encounters gibt es drei Dokumentarfilme zu entdecken. So begibt sich die renommierte österreichische Filmemacherin Ruth Beckermann („Waldheims Walzer“) in „Mutzenbacher“ auf die Spuren der fiktiven Wiener Dirne Josefine Mutzenbacher und des Felix Salten zugeschriebenen Romans „Unsinnige Liebe“.

In den weiteren Sektionen sind ebenfalls etliche sehenswerte Dokumentarfilme zu finden. Das komplette Programm wird am 1. Februar auf der Homepage der Berlinale veröffentlicht.

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Elisa Reznicek
Elisa Reznicek leitet die Online-Redaktion beim Haus des Dokumentarfilms und ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hauses zuständig.
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