Szene aus »Kubrick, Nixon und der Mann im Mond« © Arte France

»Kubrick, Nixon und der Mann im Mond«

Wenn aus Blödsinn Wahrheit fabriziert wird: Mit »Kubrick, Nixon und der Mann im Mond« (im Original noch präziser »Opération lune«) hat es der Filmemacher William Karel im Jahre 2002 geschafft, lange vor dem heutigen Fake-Präsidenten im Weißen Haus eine grandios gefakte »Mockumentary« über die angeblich im Studio gedrehte Mondlandung von Apollo 11 zu fabrizieren. Der Dokumentarfilm – basierend auf falschen Interviews und dem Zusammenhang entrissenes Archivmaterial – ist schon x-mal bei Arte gelaufen. Und jedes Mal warnt der Sender, dass alles nur ein Spaß ist. Aber was für ein herrlicher! Bis 10. Februar 2019 in der Arte-Mediathek abrufbar.

Arte, Sa 12.1.19, 22:55 Uhr: »Kubrick, Nixon und der Mann im Mond«

An Verschwörungstheorien mangelt es spätestens seit dem Internet ja nicht mehr. Doch lange, bevor es Realitätsblasen und Alternative Fakten gab, war diese irrsinnige Theorie schon virulent: US-Präsident Richard Nixon war besorgt, dass die Filmaufnahmen von der Mondlandung 1969 nicht fernsehtauglich sein würden. Und dass die Jungs um Neil Armstrong vielleicht auch nicht mehr zurückkämen. Also wurde ausgerechnet Stanley Kubrick putty download windows , Regisseur von »2001 – Odyssee im Weltraum«, beauftragt, die Mondlandung in seinem Studio zu drehen.

Der tunesische Filmemacher William Karel nahm diesen Blödsinn ernst und drehte mit spürbar großem Spaß eine gefakte Dokumentation. Als Zeugen schnitt er unter anderem Interviews mit Henry Kissinger, Donald Rumsfeld und Christiane Kubrick, der Witwe des britischen Filmregisseurs, so zurecht, dass sie ideal in die aus dem Off kommentierte Story passten. Andere Mitwirkende, als Augen- und Zeitzeugen verkauft, hatten ihren Text auswändig gelernt, der aus hanebüchenem Unsinn bestand. Allerdings war der Nonsense immerhin so glaubwürdig, dass am Tag nach der Erstausstrahlung beim Sender in Straßburg die Telefone nicht mehr aufhörten zu klingeln. Viele der Anruferinnen und Anrufer konnten nicht glauben, was sie da gehört hatten, und suchten nun nach Bestätigung.


Kubrick, Nixon und der Mann im Mond (Arte-Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 10. Februar 2019)

Auch die Jury des Adolf-Grimme-Preises fand den Film so überzeugend, dass sie ihm eine der berühmten Auszeichnungen gab – wohlwissend aber, dass es sich um eine »Mockumentary« handelte. Die Jury schrieb dazu unter anderem: »Mit Archivaufnahmen, die aus dem Zusammenhang gerissen sind, mit echten Interviews, deren Kontext verändert wurde, und mit nachgestellten Interviews pendelt der Film zwischen Realität und frei Erfundenem und erzählt damit viel über die Macht des bewegten Bildes und den Glauben an filmische Beweise.«

Dass Dokumentarfilme auch zur Aufklärung der Menschen beitragen, darf nach diesem Erlebnis übrigens durchaus bezweifelt werden. Schon am Tag nach der Ausstrahlung meldete sich bei Arte ein Physik-Professor aus Rumänien, der erklärte, er habe einen Großteil der Argumente, dass die Mondlandung fake sei, schon vor Jahren publiziert. Man muss alternative Fakten eben nur so lange wiederkäuen, bis der ganze Käse genießbar schmeckt. Jemand, der den Mist schluckt, findet sich immer.

image_pdfAls PDF speichernimage_printDrucken
Facebook
Twitter

Dies könnte Sie auch interessieren:

TV-Tipp 14.11: Mollath – Und plötzlich bist du verrückt: Ein Mann zwischen Irrtum, Wahnsinn und Posse

Fast schon wieder vergessen? Von einem kurzzeitig Aufregen erregenden Justizirrtum handelt »Mollath – Und plötzlich bist du verrückt«. Darin versuchen die beiden Autorinnen Annika Blendl und Leonie Stade, den Skandal um Gustl Mollath so neutral wie möglich zu dokumentieren. Mollath war jahrelang in der Psychiatrie weggesperrt und es dauert Jahre, bis Zweifel an den Beweggründen und an dem damaligen Urteil letztlich zur Rehabilitierung des Mannes führten. Das Bayerische Fernsehen zeigt den 2015 auch im Kino eingesetzten Dokumenarfilm am Mittwochabend.

Kino-Tipp: »Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes«

Wim Wenders neuer Dokumentarfilm über den aktuellen Papst entstand auf Anregung des Vatikans. Der Regisseur selbst war überrascht über die Anfrage 2013, willigte jedoch gerne ein. Denn Wenders hat katholische Wurzeln und wollte selbst einmal Priester werden, bevor er über Umwege zum Film kam. Er ist fasziniert von dem jetzigen Papst und seinen politischen Botschaften. Der Regisseur nimmt sich diesmal spürbar zurück.

Werner Herzog: ein Mann zwischen Genie und Obsession
Werner Herzog zählt zu den wichtigsten Regisseuren des Neuen Deutschen Films, genießt hohes internationales Ansehen und wurde von der TIME zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt gezählt. Er erhält den Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises.
»Der Kuaför aus der Keupstraße«
Zehn Jahre lang wollte niemand hören, dass die Opfer, die 2004 bei einem Bombenanschlag auf einen Friseursalon in Köln wirklich Opfern waren. Stattdessen hatte man sie zu Verdächtigen erklärt. Über diesen Skandal bei den Ermittlungen, die erst viele Jahre später bei den Enthüllungen gegen den NSU zu Tage trat, hat Regisseur Andreas Maus den beeindruckenden Dokumentarfilm »Der Kuaför aus der Keupstraße« gemacht.