Bild von Mann mit weißem Pferd

»Peter Pfister – Der Pferdemann«

Pferde sind seine Passion. Monika Agler und ihr Team porträtieren den bundesweit bekannten Pferdemann Peter Pfister mit seinen unterschiedlichen Aktivitäten. Über Jahrzehnte hat er eine eigene Methode entwickelt, mit Pferden umzugehen. Sein Ziel ist eine harmonische, niveauvolle und naturorientierte Partnerschaft.

Immer auf der Suche nach mehr Qualität im Umgang mit Pferden hat er im Laufe von Jahren festgestellt, dass Autorität, Vertrauen, System und Konsequenz die vier Säulen für eine erfolgreiche Pferdeausbildung sind. Denn Harmonie bedeutet für ihn keineswegs eine gleichberechtigte Beziehung zwischen Pferd und Mensch, sondern sie braucht klare Regeln und die Reiterinnen und Reiter müssten durch ihr Auftreten deutlich machen, dass sie das Leittier sind und das Pferd sich ihnen unterordnen muss. Denn die Natur der Pferde ist es, wer nicht leitet, der wird geleitet. Jeder der ein Pferd kauft, muss sich klar darüber sein, dass er eine Führungsposition einnimmt, davon ist er überzeugt. Wenn die Leitungsfrage nicht geklärt ist, dann gibt es Probleme. Peter Pfister hat schon vielen geholfen, die mit sogenannten Problempferden zu ihm kamen. Inwieweit dann die Besitzer im Alltag auch diese Autorität ausstrahlen, steht auf einem anderen Blatt. Sein Konzept der Freiheitsdressur vermittelt er auch in Kursen.

Leidenschaft, Faszination, Motivation und die Liebe zu den Tieren sind Peter Pfisters Triebfedern. Mit seinem Schimmel ‚Michel‘ zeigt Peter Pfister die Art von wahrer und vollkommener Harmonie, die ein Mensch mit einem Pferd überhaupt erreichen kann. Mit kaum sichtbaren Handbewegungen und ohne laute Töne lässt sich der Schimmel über die freie Wiese navigieren. Als ob ein unsichtbares Band zwischen den beiden existiere. Daraus hat er Zirkusreife Showauftritte entwickelt, mit denen er seit über zwanzig Jahren öffentlich auftritt. Zum Höhepunkt des Films trainiert er vier Pferde für einen solchen Auftritt für die EuroCheval in Offenburg. Im Training sieht man, dass es viel Geduld braucht, drei freilaufende Pferde vom Sattel auf dem vierten Pferd zu dirigieren und zu Kunststücken zu bewegen. Denn wenn die Pferde die Möglichkeit sehen, ihre Freiheit zu nutzen, dann probieren sie es aus. Von daher ist selbst bei ihm die Anspannung groß, ob es gelingen wird. Es ist auf jeden Fall überraschend, was seine Pferde alles mitmachen und nicht ihren natürlichen Fluchtreflex nutzen, wenn sie beispielsweise unter einer laut knisternden Plastikplane versteckt werden oder darin eingewickelt werden. Selbst einen Knicks vollführen sie.

Das Pferd muss verstehen, was man von ihm will, damit es folgen kann. Aber es kann nur verstehen, wenn der Mensch als Leittier in der Lage ist, sich klar und korrekt auszudrücken. Und das in der Sprache der Pferde und mit allen pferdegerechten Kommunikationsmitteln, die zur Verfügung stehen. Ein klares Miteinander gepaart mit Struktur, Respekt, Vertrauen, Zuneigung und Berechenbarkeit sei der Schlüssel zum Erfolg jeder Pferdeausbildung.

Die Dokumentation von Monika Agler zeichnet ein sympathisches Porträt dieses Pferdemannes mit außergewöhnlichem Charisma. Historische Aufnahmen zeichnen den Werdegang des Späteinsteigers nach. Die Aufnahmen des Kamerateams (Dirk Schwarz, Volker Kinzinger, Desirée Riedel) und einiges Fremdmaterial zeichnen sich durch Dynamik und Können aus, schnelle Bewegungen auf begrenztem Raum einzufangen. Es entstanden zum Teil sehr beeindruckende Aufnahmen der Pferde und zum Verhältnis von Peter Pfister zu ihnen. Die Interviews mit Wegbereitern wirken zum Teil etwas konventionell, die Musik etwas uninspiriert. Aber Peter Pfister hat nicht nur Freunde, sondern auch erklärte Gegner, die ihm Tierquälerei vorwerfen. Es gab 2017 einen Vorfall, das in einem seiner Kurse für Zirkusausbildung ein Pferd starb. Dies hatte ein juristischs Nachspiel und er hat einen Fehler eingeräumt. Um das Porträt zu kompletieren hätten diese Ereignisse erwähnt werden müssen.

Nichtsdestotrotz ist »Peter Pfister – Der Pferdemann« ein wichtiger Film für alle Reiterinnen und Reiter und Pferdefreunde, die Alternativen zur klassischen Ausbildung suchen und ein anderes Verhältnis zu ihren Lieblingen bekommen wollen. Denn nach Peter Pfister ist Reiten das Zwiegespräch zweier Körper und zweier Seelen, das dahin zielt, einen vollkommenen Einklang miteinander herzustellen.

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Kay Hoffmann
Dr. Kay Hoffmann ist Studienleiter Wissenschaft im HDF und Gesamtkoordinator des DFG-Projekts „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“. Zusätzlich ist er seit langem Kurator der erfolgreichen DOK Premieren in Ludwigsburg.
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