Erdmännchen NaturVision

21. NaturVision Filmfestival: Konzepte für die Zukunft

Gesellschaftliche Relevanz

Nach zwei Jahren Online-Festival findet NaturVision vom 21. bis 24. Juli wieder in den drei Kinos des Central Theaters und auf dem Arsenalplatz davor statt. Dort findet ein kostenfreies Open Air Programm mit Filmen und Diskussionen statt sowie der nachhaltige Zukunftsmarkt. Die Hälfte der insgesamt 120 Filmen konkurrieren im internationalen Wettbewerb in zehn Kategorien mit Preisgeldern von über 35.000 €. Viele der eingereichten Dokumentarfilme und TV-Dokumentationen packen die brisanten Themen unserer Zeit an. Sie überzeugen mit politischer Relevanz, beleuchten Hintergründe und porträtieren Menschen, die ein Umdenken leben.

Banner Naturvision

Zeit zum Umdenken und Handeln

„Wir wollen unseren Zuschauern mit unseren Wildlife-Filmen unvergessliche Kinomomente schenken. Genauso wichtig aber sind uns fundierte Informationen zu Fragen nachhaltiger Entwicklung. Doch was uns in den letzten Jahren immer mehr auffällt – und warum wir vor einem Jahr auch den ‚NaturVision Filmpreis Umdenken‘ geschaffen haben: Es ist wichtig Menschen zu zeigen, die ein Umdenken leben, die positive Beispiele und Vorbilder sind. Wir setzen dabei auf Filme, die Optimismus und Hoffnung verbreiten – vor allem für die junge Generation“, bringt es Festivalleiter Ralph Thoms auf den Punkt.

NaturVision Naturwunder Gemüsegarten
NaturVision Naturwunder Gemüsegarten
Zeigen Formen von Umdenken: „It's Bean Too Hot“ (links) und „Naturwunder Gemüsegarten“ (rechts) © NaturVision

Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen

Jan Haft gehört zu den wichtigsten Natur- und Tierfilmern in Deutschland. In einem Workshop des Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms wird er zusammen mit seiner Frau und Produzentin Melanie Haft die Unterschiede von Produktionen fürs Fernsehen und Kino herausarbeiten. Arte-Redakteur Christian Cools („Entdeckung“) wird sein Konzept für die neue Serie „Natura Europa“ erläutern, für die Jan Haft eine Folge beisteuern wird. Der Workshop ist mittlerweile ausgebucht.

Visuell überwältigende Filme auf großer Leinwand

NaturVision zeigt große, aufwändige Dokumentarfilme fürs Kino, wie die beiden französischen Produktionen „Die Eiche – Mein Zuhause“ und „Kalahari. Land of secret Alliances“, die beide einen spezifischen Lebensraum zeigen. „Planet ohne Affen“ geht den kriminellen Machenschaften beim Affenhandel nach. „Pleistocene Park“ zeigt den Versuch, in Sibirien Tiere anzusiedeln, die mit den kalten Temperaturen leben können. In „Der Bauer und der Bobo“ aus Österreich fordert ein Landwirt einen Wiener Journalisten heraus, eine Woche auf seinen Hof mitzuarbeiten. Ein äußerst humorvoller Film über die Gegensätze ‚Stadt und Land‘ sowie ‚Fortschritt und Ökologie‘.

NaturVision Planet ohne Affen
NaturVision
Folgen des Affenhandels werden in „Planet ohne Affen“(links) thematisiert; „Pleistocene Park“ (rechts) siedelt Tiere in Sibirien an © NaturVision

Vorbilder sind wichtig

Daneben gibt es zahlreiche internationale Fernsehproduktionen zu Landschaften, Tieren, aber ebenso der Gefährdung durch den Homo Sapiens. Da ist ein Umdenken wichtig, dass immer mehr Menschen praktizieren. Eröffnungsfilm am Donnerstagabend wird „Helden der Meere“ sein mit Vorbildern, die ganz praktisch an der Lösung der Probleme der Meere arbeiten. Der beliebte Science Slam präsentiert neue Ansätze der Wissenschaften, die möglichst amüsant präsentiert werden.

Kinder für Umwelt und Natur begeistern

Schon die Kleinsten für Natur und Umweltschutz zu begeistern ist ein Herzensanliegen des Festivals. Am besten gelingt dies Filmen mit Protagonist:innen, die die Kinder mit ihren Fragen auf spannende und humorvolle Weise abholen. Ein Paradebespiel für solch ein gelungenes Kinderfilmformat ist „Pia und die wilde Natur“. Beim Festival wird nicht nur die Folge „Abtauchen in die Seegraswiese“ gezeigt, sondern Pia wird für ihre jungen Fans vor Ort sein.

NaturVision Marokko
NaturVision Frosch
Atemberaubende Natur: „The Elephant“ (links) und „Wildes Marokko“ (rechts) © NaturVision

Neue Formen von Dokus für junge Menschen

Bemerkenswert sind Formate für die junge Generation, die sich auf Augenhöhe schwieriger Zukunftsthemen annehmen. So arbeitet die ARD-Webdokumentation „Axel Wagner und die Klimakrise“ mit einer Mischung aus kurzen, eingängigen Videos, die komplexe Probleme wie Artensterben oder globale Erwärmung verständlich erklären und sehr persönlich gehaltenen Interviews. So wird nicht nur kritisch informiert – es werden auch Perspektiven aufgezeigt, wie wir mit einem persönlichen Umdenken Katastrophen noch abwenden können. Axel Wagner wird am Festivalsamstag sein Format persönlich auf dem Open Air präsentieren. Dort werden auch Diskussionen zu Nachhaltigkeitskonzepten und Klimawandel geboten. Auf dem NaturVision Filmfestival werden die Fragen der Zukunft gestellt und umfassend erörtert.

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Kay Hoffmann
Dr. Kay Hoffmann ist Studienleiter Wissenschaft im HDF und Gesamtkoordinator des DFG-Projekts „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“. Zusätzlich ist er seit langem Kurator der erfolgreichen DOK Premieren in Ludwigsburg.
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