ulrike ottinger

70. Berlinale mit großer Themen-Vielfalt

Knapp zwei Wochen mit vollem und vielfältigem Programm: mehr als 100 Dokumentarfilme sind bei der Berlinale 2020 zu sehen, Künstlerin Ulrike Ottinger wird mit der Berlinale Kamera geehrt und die AG Dok feiert Geburtstag!


Berlinale-Programm mit großer Themenvielfalt 

Das komplette Programm ist seit dem 11.02.2020 online. Im Mittelpunkt steht die große Auswahl der Filme, die in den ausgewählten Kinos laufen wird. Doch auch unzählige Panels, Publikumsgespräche und Empfänge sorgen für ein ausgewogenes Festivalerlebnis. 

Die Berlinale steht dieses Jahr – etwas ungewohnt zu den Vorjahren um Dieter Kosslick – unter keinem bestimmten Motto. Nahezu alle Rubriken bespielen Filme mit unterschiedlichen Themen. Nur die beiden Rubriken Perspektive Deutsches Kino und Forum bewegen sich dagegen in einem »gesetzten Rahmen«.

Im Wettbewerb findet sich die Auswahl der besten Filme eines Kinojahrgangs. Die Sektion Forum feiert dieses Jahr ihr besonderes Bestehen. 50 Jahre ist sie fest verankert in den Berlinale Rubriken. Neben der eigentlichen Perspektive, im Film Grenzen zu überschreiten, werden 2020 die Filme aus dem Gründungsjahr 1971 wieder gespielt – und zwar aus dem Blickwinkel der Gegenwart. Das Motto lautet: »Vergangenheit vergegenwärtigen«. Außergewöhnliches findet in der Rubrik Encounters Platz. Die Rubrik Generation zielt auf ein junges Publikum ab, Kinder und Jugendliche sind Thema in den Filmen. Die Perspektive Deutsches Kino verortet sich dieses Jahr im Diskurs um Heimat. Berlinale Special setzt auf Extravagantes und Glamour. Berlinale Panorama geht mit dem Puls der Zeit: das Aktuelle und die Debatten der Zeit stehen im Fokus und geben Raum für Reflektion. 


Doku und Berlinale

Der Dokumentarfilm ist schon immer ein fester Bestandteil in den Sektionen der Berlinale. Einige liefen sogar im internationalen Wettbewerb und gewannen dort den Hauptpreis wie 2016 »Fuocoammare« (»Seefeuer«) von Gianfranco Rosi. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Festival rund einhundert Dokumentarfilme und dokumentarische Formen gezeigt. Auch dieses Jahr ist im Wettbewerb ein Dokumentarfilm zu finden: »Irradiés« (Irradiated) (Frankreich / Kambodscha) von Rithy Panh.

Auch interessant: »Dokumentarfilmpreise bei der Berlinale 2020«

Auszeichnung vorab an Ulrike Ottinger 

Dieses Jahr wird die Regisseurin und Künstlerin Ulrike Ottinger mit der »Berlinale Kamera« geehrt. »Als Malerin, Fotografin und Allround-Künstlerin hat sie das Kino immer als eine Kunst verstanden, die durch Begegnung mit anderen Menschen, Objekten, Büchern, Geschichten, Orten und Kulissen entsteht, in denen sich die Realität bemerkbar macht«, kommentierten Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und der Künstlerische Leiter Carlo Chatrian die Auszeichnung. Seit den 1970er Jahren gehört Ottinger zu den bedeutendsten deutschen Filmemacherinnen. Sie hat 25 Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme gedreht und wurde unter anderem mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet. 2011 den Hannah-Höch-Preis der Stadt Berlin für ein hervorragendes künstlerisches Lebenswerk. Dieses beinhaltet neben Film auch Theaterregie, Malerei und Fotografie. 

Ihr aktueller Dokumentarfilm »Paris Calligrammes« sei »eine originelle und wunderschöne Autobiografie und eine Zeitreise«, so die Festivalleitung. Die Weltpremiere ihres aktuellen Dokumentarfilms »Paris Calligrammes« erfolgt im Rahmen des Berlinale Special am Anschluss an die Verleihung der »Berlinale Kamera«. Die Preisverleihung findet am Samstag, den 22. Februar 2020, um 16 Uhr im Haus der Berlinaler Festspiele statt.


Geburtstag der AG Dok und Neuwahlen

Die AG Dok wird 40 und nach 34 Jahren als Vorsitzender und Geschäftsführer wird sich Thomas Frickel im Februar aus der aktiven Vereinsführung verabschieden.

am Donnerstag, den 27.02., ab 9:00 Uhr | Mitgliederversammlung, in der Thüringer Landesvertretung 

ab 18:00 Uhr Empfang in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg 


17 Ziele | Großes Kino für eine nachhaltige Welt

Auch dieses Jahr schließt sich die Berlinale den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung an (Agenda 2030). Im Fokus stehen insbesondere die Ziele 4 | Hochwertige Bildung, 5 | Geschlechtergleichheit, 9 | Industrie, Innovation und Infrastruktur und 12 | Nachhaltige/r Konsum und Produktion).

Atmo 1


(Anna Leippe | Annika Weißhaar) aktualisiert am 20.02.2020

image_pdfAls PDF speichernimage_printDrucken
Redaktion
Wir, die Redaktion von dokumentarfilm.info, versorgen Sie regelmäßig mit News, Artikeln und Hintergründen rund um den Dokumentarfilm.
Facebook
Twitter

Dies könnte Sie auch interessieren:

Ein großer Verlust: Nachruf auf Film- und Medienkritiker Fritz Wolf
Nach langer schwerer Krankheit ist am Dienstag, den 31.8.2021, der Medienjournalist Fritz Wolf gestorben. Der Experte für Dokumentarfilm war unserem Haus eng verbunden und regelmäßiger Redner auf Veranstaltungen.
Berlinale 2018 dokumentarisch (1): Von Relevanz, Vielfalt, Experimenten

Was bietet die Berlinale 2018 für den dokumentarischen Film und Freunde/Freundinnen dieses Genres? Nicht nur den Glashütte-Dokumentarfilmpreis, der zum zweiten Mal vergeben wird, meint unser Berlinale-Autor Kay Hoffmann. Er hat ein Wochenende mit vielen Filmsichtungen hinter sich und bietet hier einen ersten Überblick mit den Dokumentarfilmen »Zentralflughafen THF«, »Waldheims Walzer«, »Die grüne Lüge«, »Minatomachi« und »What Walaa wants«.

Berlinale 2022: dokumentarische Vielfalt (1)
In diesem Jahr sind 18 dokumentarische Produktionen für den Berlinale Dokumentarfilmpreis nominiert. Er ist vom Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) mit 40.000 € dotiert. Kay Hoffmann wird viele dieser Produktionen sowie weitere ausgewählte Dokumentarfilme vorstellen.
Meisterklasse: Wie Andres Veiel mit seinen Themen arbeitet

Sieben Stunden mit einem der wichtigsten deutschen Dokumentarfilmer. Diese Chance haben mehr als 30 Interessierte genutzt und sich zur »Meisterklasse Andres Veiel« im Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms getroffen. Der Tag bot ein intensives Gespräch zwischen dem Filmemacher, der Kuratorin Astrid Beyer und dem Publikum. Filmemacher Veiel zeigte unter anderem ein alternatives Ende für seinen letzten großen Dokumentarfilm »Beuys«. Immer wieder drehte sich das Thema um die Authentizität des dokumentarischen Films.