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Vierteilige Dokuserie »Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte« bei ARTE

Am Dienstag, den 10. März zeigt ARTE ab 20:15 Uhr die Dokuserie »Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte« in insgesamt vier Folgen. Die Dokumentarfilmserie »Colonia Dignidad« wird in der ARD an zwei Terminen, Montag, den 16. März und Montag, den 23. März 2020 um 22:45 Uhr ausgestrahlt. In der ARTE-Mediathek ist sie bis zum 09. April 2020 online verfügbar. Das Thema »serielles Erzählen in dokumentarischen Formaten« wird zudem bei Dokville 2020 aufgegriffen. Der neue Termin des Branchentreffs wird alsbald bekannt gegeben. 

Deutsche Sekte „Kolonie der Würde“

Die Serie gibt einen Einblick in das Leben der deutschen Sekte »Colonia Dignidad« in Chile. Ehemalige Mitglieder der »Kolonie der Würde« erzählen von traumatischen Erlebnissen in der isolierten Gemeinschaft. Viele Mitglieder wurden täglich gefoltert, erniedrigt und missbraucht. Schon Kinder mussten bis spät in die Nacht arbeiten und beten; wer sich dagegen wehrte, wurde bestraft.

Viele Menschen folgten dem Prediger nach Chile

Gegründet wurde die christliche Sekte 1961 vom selbst ernannten Prediger Paul Schäfer auf einem Siedlungsareal in Chile. Viele Deutsche folgten ihm in die von ihm bezeichnete Gemeinschaft strenggläubiger Christen, denn Schäfer versprach ihnen das Leben in einer unabhängigen Gesellschaft. Erst nach und nach begriffen die Menschen, die seinem Ruf folgten, was sich in der Sekte wirklich abspielte.

Missbrauch und Gewalt standen an der Tagesordnung

Unter dem Deckmantel einer barmherzigen und gläubigen Gemeinschaft verbarg sich eine kriminelle Sekte, in der unzählige Menschenrechtsverletzungen stattfanden. Schäfer missbrauchte hunderte Kinder, seine Anhänger folterten Menschen beispielsweise mit Elektroschocks. Was die Menschen dort an psychischer und physischer Gewalt erfuhren, ist unbeschreiblich.

Jahre später wird erst ermittelt

Ende der 90er Jahre begannen die ersten Ermittlungen gegen Schäfer und sein Gefolge. Dieser floh jedoch nach Argentinien, wo er jedoch aufgespürt wurde und 2006 schließlich verurteilt wurde. 2010 starb er im Alter von 88 Jahren im Gefängnis.

Zeitzeugen berichten

In der Dokumentarfilmreihe erhalten viele seiner Opfer eine Stimme und erzählen, wie sie das Leben in der Sekte erfahren haben und wie sie mit ihren traumatischen Erlebnissen umgehen. Auch weitere Zeitzeugen und Vertreter der Behörden kommen zu Wort. Trotzdem bleibt es unverständlich, dass die grausamen Taten erst Jahre später ans Licht kamen.


(Hannah Hiergeist | Astrid Beyer)

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