Bild einer alten Frau

Neu im Kino: “Wir sind Juden aus Breslau”

Karin Kapers »Wir sind Juden aus Breslau« ist ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa. Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

Kinostart: 17.11.2016

Szene aus »Wir sind Juden aus Breslau« © Karin Kaper FilmSie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft. Sie fühlten sich in Breslau beheimatet, der damals drittgrößten jüdischen Gemeinde in Deutschland. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.

14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.

Dokumentarfilm, D 2016, 113 Minuten;
Regie: Karin Kaper;
Produktion: Karin Kaper Film in Zusammenarbeit mit Bente-Kahan-Stiftung (Breslau)

Fotos: Szenen aus »Wir sind Juden aus Breslau« © Karin Kaper Film

image_pdfAls PDF speichernimage_printDrucken
Kay Hoffmann
Dr. Kay Hoffmann ist Studienleiter Wissenschaft im HDF und Gesamtkoordinator des DFG-Projekts „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“. Zusätzlich ist er seit langem Kurator der erfolgreichen DOK Premieren in Ludwigsburg.
Facebook
Twitter

Dies könnte Sie auch interessieren:

“Wir sind Juden aus Breslau”: Unsere DOK Premiere im April 2017

Karin Kapers »Wir sind Juden aus Breslau« ist ein Film von aktueller Brisanz, der ein eindringliches Zeichen setzt gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa. Ein Film, der aufzeigt, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt. Ein Film, der anhand der Lebensschicksale der Protagonisten auch die Gründung des Staates Israel mit den Erfahrungen des Holocaust in Verbindung setzt.

Neu im Kino: “Die Gabe zu heilen”

Andreas Geigers Dokumentarfilm »Die Gabe zu heilen«, eine Produktion von Eikon Südwest, erzählt von fünf Heilern, die mit ihren besonderen Fähigkeiten auf unkonventionelle Art und Weise die Beschwerden ihrer Patienten lindern oder heilen.

Neu im Kino: »I Am Not Your Negro«

Einen so kraftvollen Dokumentarfilm hat es lange nicht mehr gegeben. Von der ersten Minuten an packt Raoul Pecks »I Am Not Your Negro« seine Betrachter mit einer Collage aus historischem Bild- und Tonmaterial, perfekt eingesetzter Musikdramatisierung und natürlich mit einem fast 40 Jahre alten Text des amerikanischen Schriftstellers James Baldwin, der wahlweise von Hollywood-Star Samuel L. Jackson (im Original) oder vom Hamburger Rapper Sammy Deluxe (in der deutschen Version) gesprochen wird. Ein Dokumentarfilm der Kategorie »must have seen«.

Neu im Kino: Beuys

Jahrelange hat er recherchiert und für den Schnitt arbeiteten Andres Veiel mit seinen Kollegen dann noch ganze 18 Monate, um »Beuys« zu vollenden. Selbst für einen Dokumentarfilm ist das eine lange Zeit. Aber der Filmemacher und der Produzent Thomas Kufus (zero one film) glaubten an die Arbeit. Das Vertrauen könnte sich lohnen: Der Film lief in diesem Jahr im Internationalen Wettbewerb der Berlinale und ist für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert, der Ende Juli in Stuttgart während dem Branchentreff Dokville und dem SWR Doku Festival verleihen werden wird. Nun ist er auch in den deutschen Kinos gestartet. In Ludwigsburg und Stuttart präsentierte der gebürtige Stuttarter Veiel bei einer DOK Premiere seinen jüngsten Film. Die offizielle Kinotour führt Veiel und »Beuys« durch zwei Dutzend Städte.