Bild eines Mannes mit einer Frau im Hintergrund

TV-Tipp 15.5.: Wo Leistung noch quält

Autorin Chiara Sambuchi erforscht in ihrem Dokumentarfilm »Die Viagra-Tagebücher« das intime Leben unterschiedlicher Männer, die regelmäßig Potenzmittel einnehmen. Sie beschreibt die Hoffnungen, Erfolge, aber auch die Missverständnisse und unerreichbaren Erwartungen, die mit den Mitteln verbunden sind. Der Dokumentarfilm von 2016, den 3sat am Montagabend zeigt, kommt ohne reisserische Bilder aus. Nicht einzelne Körperteile stehen im Fokus von Kamera und Autorin, sondern die Menschen und Paare.

Tagestipp:
3sat, 22:25 Uhr: Die Viagra-Tagebücher

Viagra ist das lukrativste Geschäft der Pharmaindustrie: Mit Viagra und Co verdient sie jährlich etwa zehn Milliarden US-Dollar. Das ist in etwa der weltweite Umsatz von Starbucks oder Nike. Viagra ist dabei in den seltensten Fällen ein wirklich benötigtes Medikament gegen Impotenz. Es ist vor allem zu einer Lifestyle-Pille geworden, die millionenfach das Sexualleben gesunder Männer und ihrer Partnerinnen prägt.

Autorin Chiara Sambuchi erforscht in ihrem Dokumentarfilm das intime Leben unterschiedlicher Männer, die regelmäßig Potenzmittel einnehmen. Sie beschreibt die Hoffnungen, Erfolge, aber auch die Missverständnisse und unerreichbaren Erwartungen, die mit den Mitteln verbunden sind.

Da ist der junge Programmierer, der gleichzeitig Angst um seinen Job, seine Freundin und vor den Schulden seines Hausbaus hat. Da sind der italienische Gigolo und der amerikanische Koch. Der eine muss im Bett, der andere in der Küche volle Leistung bringen. Oder der liebevolle Ehemann, der nach einer Blasen-OP um seine Potenz kämpft. Was ist »stark«? Und was ist »schwach«?

Intim und nah wien in Tagebuch-Einträgen entblättert sich das Leben von Singles und Paaren, die sich ein Leben ohne Viagra nicht mehr vorstellen können. Wie viel Unsicherheiten, Ängste und Fantasien vertuscht die blaue Pille? Was bedeutet es, wenn selbst im Privatesten nur die »Leistung« zählt? Kann Viagra ein »Scheitern« verhindern, oder fördert es am Ende vielleicht doch bei manchen die Einsicht, wie attraktiv »Schwäche« und das Unvollkommene doch sein können?

»Die Viagra-Tagebücher« ist ein Protagonistenfilm. Männer und Frauen berichten ungewöhnlich offen über ihre Erfahrungen mit Potenzmitteln und welche Auswirkungen sie auf ihr Sexleben und ihre Beziehungen haben.

Dokumentarfilm, D 2016, 87 Minuten;
Regie: Chiara Sambuchi
Produktion: Lava Film, SWR
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