»Union fürs Leben«

Es gibt sie in jeder Stadt, in jedem Dorf. Mehr als 25.000 Fußballvereine zählt allein der DFB. Und jeder ist für seine Mitglieder und seine Fans unvergleichbar und einzigartig. Frank Marten Pfeiffer, der auch die Kamera führte, und der erfahrene Dokumentarfilm-Regisseur Rouven Rech, der unter anderem mit »Das Leben ist kein Heimspiel« den heutigen Bundesliga-Spitzenklub Hoffenheim porträtierte, haben von 2012 bis 2014 einige Fans des 1.FC Union Berlin begleitet und mit »Union fürs Leben« einen Fußballfilm geschaffen, der wenig vom Fußball, sondern vom Film handelt. Der rbb zeigte den auch außerhalb Berlin sehenswerten Dokumentarfilm, der 2014 auch in den Kinos lief, am 17. Mai. Nun ist er bis 24. Mai 2017 in der Mediathek des Senders abrufbar.


» Union fürs Leben« (rbb-Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 24. Mai 2017)

Die beiden Filmemacher haben sich in ihrem mit 100 Minuten lange Porträt einer Fanliebe auf ganz unterschiedliche Protagonisten gestützt – und kommen fast ohne Fußball aus. Zwar spielt der junge Fußballprofi Christopher Quiring (der mittlerweile bei Hansa Rostock spielt) eine Rolle, doch die anderen sind zweifelsohne »nur« Fans: der Berlins Ex-Gesundheitssenator Mario Czaja, der Streetworker Stefan Schützler, sein Schützling Alex und der Schauspieler Chris Lopatta. Ihre Leidenschaft gilt dem 1. FC Union Berlin. In einer Langzeitbeobachtung folgt ihnen des Filmteam ein Stück weit im eigenen Leben und sucht und findet dabei Gründe dafür, wieso gerade die Liebe zum Fußballverein etwas Einendes hat.

Zur DDR-Zeit galten Fans des legendären Arbeiterklubs als Rebellen und Regimegegner. Die heutige Milieustudie zeigt, dass sich die Fans des Vereins auch heute noch tief aus den Kiezen Ostberlins – vor allem Treptow-Köpenick – nähren, dass es das sozial Verbindende aber heute nicht mehr gibt. Vielleicht es dieses auch nicht mehr gab.

Der Film lässt sich Zeit, schaut und hört hin, kommentiert nie und erklärt nur ganz zaghaft durch die eine oder andere »Bauchbinde«. Keine drei Minuten ist der Film alt, da ist sein eigentliches Thema schon ersichtlich: der Unterschied zwischen Ost und West – und ob es diesen heute noch gibt. Die Rückblende in die Geschichte des Vereins und der DDR – arrangiert wie Videoclips mit sehr gut gewählter Musik – ordnen die Erinnerungen der Protagonisten dabei in einen geschichtlichen Kontext.

Auch drei Jahren nach der Premiere dieses Filmes – und damit im schnellen Fußballgeschäft Lichtjahre vom heutigen Stand der Dinge entfernt – hat sich vermutlich an den damals gefilmten Mitwirkenden wenig verändert. Der Verein selbst hat am letzten Spieltag am kommenden Samstag nur noch eine minimale Chance auf de Aufstieg in die erste Liga. Fast könnte man dem Verein und seinen Fans wünschen – und das schreibt ein Autor, dessen Heimatverein kurz vor dem Aufstieg steht -, das Wunder würde geschehen.

Dokumentarfilm, D 2014, 100 Minuten;
Regie: Rouven Rech, Frank Marten Pfeiffer
Produktion: Filmaufbau Leipzig GmbH, Torero Film
Co-Produktion: rbb

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