Bild eines Mannes in Uniform

TV-Tipp 19.5.: Dreiteiler “Weltenbrand” – Völkersterben aquarelliert

Als das ZDF vor fünf Jahren den Dreiteiler »Weltenbrand« das erste Mal zeigte, war das durchaus eine Sensation. Vor allem die nachträgliche Kolorierung des originalen Schwarzweiß-Materials war zu diesem Zeitpunkt noch sensationell. Zwischenzeitlich ist diese technische Veredelung auch schon fast wieder »ein alter Hut« – und auch die aufwendigen Reenactments in Geschichts-Dokus sind mittlerweile Usus. Was bleibt ist eine erhellende und unterhaltsame Geschichtsaufarbeitung, die wirklich alles tut, um für ihr Thema Interesse zu wecken. Auch in x-ten Wiederholung – heute beispielsweise bei ZDFinfo alle drei Folgen – ist dieser Dreiteiler über die beiden großen Kriege de frühen 20. Jahrhunderts sehenswert.

ZDFinfo, 21:45 Uhr: Sündenfall
ZDFinfo, 22:30 Uhr: Fegefeuer
ZDFinfo, 23:15 Uhr: Völkerschlacht

Einzelne Filme wurden früher handkoloriert oder »viragiert«, also in ein Farbbad gelegt und damit die Schwarzweiß-Bilder in einem Ton gefärbt. Das für »Weltenbrand« bearbeitete Material geht weit über diese Formen der Nachbearbeitung hinaus. Zunächst wurden per Hand Einzelbilder koloriert. Dabei musste man natürlich darauf achten, das insbesondere Uniformen auch den damaligen glichen. Aus dem vorliegenden Schwarzweiß-Material jedenfalls kann man nicht erkennen, welcher Farbton in Realität abgefilmt wurde. Anschließend wurden in Frankreich die Farben mit dem Computer nachbearbeitet. Sie erscheinen nun satt, oft pastellig und dennoch deutlich.

Ein wenig erinnern sie an Farbfotos der siebziger Jahre. Sie stehen noch deutlich im Kontrast zu den Spielszenen (gekennzeichnet als Rekonstruktion) und einigeb Computeranimationen. Alles zusammen ist so fließend mit den Originalaufnahmen und den auch noch gedrehten Experteninterviews gemischt, das ein ungeübter Zuschauer fast den Überblick verlieren könnte, was er gerade sieh. Oftmals ist nur an den Farben zu erkennen, welches Stilmittel gerade eingesetzt wird.

Inhaltlich verfolgt die Serie einen interessanten Ansatz: Sie lenkt den Blick nicht nur auf die beiden Weltkriege, sondern sieht die Epoche von 1914 bis 1945 als ein zusammenhängendes geschichtliches Ereignis. Eine Art zweiter Dreißigjähriger Krieg. Zugleich versucht bereits die erste Folge, gleich zwei rote Fäden auszulegen, die durch die kommenden Teile führen werden: Sie versucht Adolf Hitler und seinen späteren Widersacher Bernard Montgomery in die Handlung einzubeziehen. Die beiden zukünftigen Gegner im Finale dieses »Dreißigjährigen Krieges des 20. Jahrhunderts« sind zur Zeit der ersten Folge aber noch unscheinbare Soldaten in den Heeren ihrer Länder. Es gibt kaum Quellmaterial, das hier im Sinne eines dokumentarischen Belegs eingebracht werden könnte. Zum Glück für die Serie gibt es Reenactments – fiktive Nachstellungen sollen hier über die mangelhafte Faktenlage hinweghelfen.

3-tlg. Dokumentationsreihe, D 2012, jeweils 45 Min.
Redaktion: ZDF / Guido Knopp
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