DOK Leipzig 2020: beste internationale Filme ausgezeichnet

In einer Linie mit dem DOK Leipzig 2020 hat die Verleihung der Goldenen und Silbernen Tauben am 1. November hybrid stattgefunden. „Downstream to Kinshasa“ und „The Poets Visit Juana Bignozzi“ wurden mit den Hauptpreisen im Internationalen Wettbewerb (Langformat) ausgezeichnet.

Zur gefühlten Handvoll Gäste vor Ort gehören Moderatorin Julia Weigl, Festival-Chef Christoph Terhechte und einige wenige Filmschaffende sowie die Jury des Publikumswettbewerbs „Der Goldene Schnitt“. Sie alle werden durch Live-Schalten via Zoom international verstärkt.

Doku-Welt zu Gast bei DOK Leipzig – virtuell und doch ganz nah

Bild: Festivallleiter Christoph Terhechte hält Goldene Taube beim DOK Leipzig (Foto: Susann Jennichen/DOK Leipzig)
Festivalleiter Christoph Terhechte (Foto: Susann Jennichen/DOK Leipzig)

Das digitale Auge wirft unter anderem einen Blick nach Brasilien. Hier streamt Jury-Mitglied Fernanda Pessoa nur wenige Meter abseits einer Demo gegen Jair Bolsonaro an einer Straßenecke in São Paulo. Zugeschaltet wird Argentinien im beginnenden Frühling und fortwährenden Lockdown. Man erfährt: Sieben Monate dauern die Corona-Einschränkungen nun dort schon. Die Auszeichnung mit der Silbernen Taube für „The Poets Visit Juana Bignozzi“ liefert Laura Citarella und Mercedes Halfon eine dankbare Abwechslung gegen den „Lagerkoller“, wie sie lachend erklären. Man hört auch Stimmen aus Asien. Mitten in der Nacht ist es dort, erfahren die Zuschauer. Aber jede und jeder der Zugeschalteten ist sich sicher: Das Wachbleiben hat sich gelohnt!

DOK Leipzig 2020: Preisverleihung online schauen

Kurzum: Es ist eine besondere Preisverleihung beim DOK Leipzig in einem besonderen Jahr. Diese lässt trotz und wegen allen Herausforderungen eine neue Art von Verbundenheit spüren. Im digitalen Raum ist man weit voneinander entfernt und sich im besten Fall doch gleichzeitig sehr nah.

DOK Leipzig: die Preisträger im Internationalen Wettbewerb

Jury
Alfredo Jaar (USA) | Volker Koepp (Deutschland) | Koyo Kouoh (Kamerun) | Fernanda Pessoa (Brasilien) | B. Ruby Rich (USA)

Gewinner Internationaler Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilm Goldene Taube (in Verbindung mit 10.000 € Preisgeld, gestiftet vom Mitteldeutschen Rundfunk) und Preis der Interreligiösen Jury

Dieudo Hamadi: „Downstream to Kinshasa“

Im Zentrum der Koproduktion „Downstream to Kinshasa“ aus der Demokratischen Republik Kongo, Frankreich und Belgien, stehen die Kriegsversehrten aus Kisangani. Vor zwanzig Jahren kämpften dort ugandische und ruandische Truppen im sogenannten Sechstagekrieg gegeneinander. Nach nahezu zwei Jahrzehnten vergeblichen Wartens machen sich einige der zivilen Opfer auf den langen Weg nach Kinshasa, um ihre Entschädigung einzufordern. Ein Film, der neben der Hingabe des Dieudo Hamadis vor allem eine große Intimität und viel Würde in der Darstellung eines „vom Rest der Welt unbemerkten Kampfes“ spüren lässt, so die Jury.

Filmstill Downstream to Kinshasa (Foto: DOK Leipzig/"Downstream to Kinshasa")
Ein vom „Rest der Welt unbemerkter Kampf“ steht im Zentrum des Gewinnerfilms „Downstream to Kinshasa“ (Foto: DOK Leipzig)

Silberne Taube für den besten langen Dokumentar- oder Animationsfilm einer Nachwuchsregisseurin oder eines Nachwuchsregisseurs (in Verbindung mit 6.000 € Preisgeld, gestiftet von 3sat)

Laura Citarella, Mercedes Halfon: „The Poets Visit Juana Bignozzi“

Der Dokumentarfilm „The Poets Visit Juana Bignozzi“ erzählt von einer jungen Dichterin, die das künstlerische Erbe der Poetin Bignozzi weitertragen möchte. Dies geschieht „mit einer Frische und Energie, die an die französische Nouvelle Vague erinnern“ (Jurybegründung). Regie führten die Schriftstellerin und Journalistin Mercedes Halfon und die international als Produzentin von „La Flor“ bekannte Laura Citarella.

Filmstill: Laura Citarella, Mercedes Halfon: „The Poets Visit Juana Bignozzi“ (Foto: DOK Leipzig/"„The Poets Visit Juana Bignozzi“)
„The Poets Visit Juana Bignozzi“ wurde mit der Silbernen Taube beim DOK Leipzig 2020 ausgezeichnet (Foto: DOK Leipzig)

Internationaler Wettbewerb kurzer Dokumentar- und Animationsfilm

Jury
Randa Maroufi (Marokko/ Frankreich) | Kelvin Kyung Kun Park (Südkorea) | Annegret Richter (Deutschland)

Gewinner

Ausgezeichnet wurde die französisch-nigerianische Koproduktion „Trouble Sleep“ von Alain Kassanda als bester Dokumentarfilm. Es handele sich um ein rhythmisches Portrait des Lebens in Ibadan, so die Jury.

Filmstill Trouble Sleep (Foto: DOK Leipzig/Trouble Sleep)
Einer der persönlichen Lieblingsfilme von Festivalchef Christoph Terhechte ist „Trouble Sleep“ (Foto: DOK Leipzig)

Als bester Animationsfilm wurde der polnische Film „I’m Here“ von Julia Orlik über eine im Sterben liegende Frau gewürdigt. Die Protagonistin des Films geht im Kreis ihrer Familie dem Ende ihres Leben entgegen.

Der Tod gehört zum Leben. Eine Tatsache, der sich der Animationsfilm „I’m Here“ von Julia Orlik annimmt. (Foto: DOK Leipzig)

Alle Preisträgerfilme sowie das weitere Online-Filmangebot sind auch nach der Festivalwoche von DOK Leipzig weiterhin im Netz verfügbar. Die letzten Filme laufen online am 14.11.2020 auf der Plattform culturebase.org

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Elisa Reznicek
Elisa Reznicek leitet die Online-Redaktion beim Haus des Dokumentarfilms und ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hauses zuständig.
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