Premiere von »Bilder aus der Heimat« in Karlsruhe @ Filmboard Karlsruhe / Jürgen Schurr

Karlsruhe aus der Super 8-Perspektive

Auf immenses Publikumsinteresse stieß kürzlich die Filmpremiere »Geschichten aus der Heimat« in der ausverkauften Schauburg in Karlsruhe. Das Filmboard Karlsruhe unter Leitung von Dr. Oliver Langewitz hat ein kurzweiliges Porträt der Stadt produziert, das auf Super 8-Aufnahmen aus den 1960er bis 1980er Jahren basiert. Der Film wird noch in Karlsruhe gezeigt und danach als DVD erhältlich sein.

 
Premiere von »Bilder aus der Heimat« in Karlsruhe @ Filmboard Karlsruhe / Jürgen Schurr

Premiere von »Bilder aus der Heimat« in Karlsruhe @ Filmboard Karlsruhe / Jürgen Schurr

»Geschichten aus der Heimat« gibt einmalige Zeugnisse darüber, wie die Menschen in dieser Zeit lebten. Bewusst wurde auf frühere historische Aufnahmen oder professionell produzierte Aufnahmen verzichtet. Hierfür wurden Super 8-Aufnahmen aus der Bevölkerung gesucht, digitalisiert und in Ausschnitten im Film verwendet. Neben öffentlicher Förderung gab es eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne. Das Karlsruher Team wurden vom Haus des Dokumentarfilms und der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg mit Rat und Filmen unterstützt. Oliver Langewitz dankte bei der Premiere des Films mehrmals ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit und erwähnte den vom Haus des Dokumentarfilms 2012 entstandenen Kompilationsfilm »Karlsruhe. Der Film. Die Geschichte«. Diesr auf DVD erhältliche Film, den Anita Bindner zusammengestellt hat, bietet auch viel historisches Filmmaterial. Beide Filme, so der Leiter des Karlsruher Filmboards, ergänzten sich hervorragend.

In der aktuellen Produktion stehen allerdings weniger die historischen Filme im Mittelpunkt, sondern vor allem ihre Macherinnen und Macher, die interviewt werden und ihre persönlichen Geschichten und Erfahrungen erzählen. Dies ist eine Besonderheit des Films »Geschichten aus der Heimat«. Das Filmteam besuchte die Orte aus den Super 8-Filmen und zeigt, wie sich diese über die Jahrzehnte hinweg verändert haben. Durch ihre Erinnerungen und Anekdoten bringen die Zeitzeugen das Material regelrecht um Sprechen und erwecken es zum Leben. Sie erzählen dadurch ein Stück Stadtgeschichte über ihr Stadtviertel, ihren Stadtteil oder die Vereine, in denen sie aktiv sind. Ein Teil der Amateurfilme, die keinen direkten Bezug zu Karlsruhe haben, wurden an die Landesfilmsammlung weitergeleitet.

»Mit unserem Film entsteht ein einmaliges zeithistorisches Dokument, das die Karlsruher Geschichte und die damaligen Lebenswirklichkeiten lebendig werden lassen. Mit den Zeitzeugeninterviews schaffen wir eine authentische Erzählstruktur, die die zumeist privaten Aufnahmen erläutern und historisch einordnen«, erläutert Dr. Oliver Langewitz, Filmboard-Chef und Regisseur des Films das Konzept der Produktion.

Wie gut dies gelungen ist und welche Bedeutung der Film für die Stadt hat, hoben Oberbürgermeister Frank Mentrup und seine Kulturdezernentin Susanne Asche in ihrer Begrüßung hervor. Es ist ein hervorragendes Beispiel für eine Bürgerbeteiligung und sich mit der Entwicklung der Stadt zu beschäftigen. Es ist ebenso ein Imagefilm für die Stadt entstanden, der von der Lebensqualität und der Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt erzählt. Die Musik steuerte ein Team aus der französischen Partnerstadt Nancy bei. Langewitz präsentierte im Anschluss an die Vorführung sein junges Team und übergab die während des Projektes recherchierten Filme an den Oberbürgermeister, der sie stellvertretend für das Stadtarchiv übernahm. So ist ein Grundstein gelegt für ein visuelles Gedächtnis der Fächerstadt. Denn durch die Digitalisierung mittels eines hochwertigen Nassscanners wird das sehr empfindliche Super 8-Filmmaterial, bei dem es sich überwiegend um Unikate handelt, für die Nachwelt gesichert und so entsteht ein wichtiges Filmarchiv für die Stadt Karlsruhe.

Der Film wird in den nächsten Wochen einige Male in der Schauburg gezeigt werden und dann bei internationalen Festivals eingereicht. Dazu wurde eine englische Fassung erstellt, eine französische ist in Arbeit. In den nächsten Wochen wird auch eine DVD erstellt, um das große Interesse an dieser Produktion befriedigen zu können.

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Kay Hoffmann
Dr. Kay Hoffmann ist Studienleiter Wissenschaft im HDF und Gesamtkoordinator des DFG-Projekts „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“. Zusätzlich ist er seit langem Kurator der erfolgreichen DOK Premieren in Ludwigsburg.
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