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»Life in Stills«: Eine Dame, ihr Enkel und 1 Mio Bilder aus Israel

Der Filmabend des Hauses des Dokumentarfilms während der Jüdischen Kulturwochen in Stuttgart hat bereits Tradition. Es gibt dort immer einen besonderen Dokumentarfilm zu Israel und dann ein anschließendes Filmgespräch. Diesmal wurde »Life in Stills« von Tamar Tal gezeigt: ein Film über eine alte Dame, die das fotografische Gedächtnis Israels verwaltet. Die junge israelische Regisseurin beantwortete anschließend via Skype Fragen zu ihrem Film.

Eine Million Negative lagern in den Räumen des »Photohouse« in Tel Aviv und in der Wohnung von Miriam Weissenstein. Die Dame ist 96 Jahre alt, schwerhörig und halb blind – aber sie verwaltet wie eine Monarchin die Schätze, die ihr verstorbener Mann Rudi Weissenstein in seiner Karriere aufgenommen hat. Der Fotograf gründete 1940 das erste »Photohouse« Tel Avivs, die »Zalmania«. Mit seinen rund 1 Millionen Negativen begleitete er bis zu seinem Tod die Geschichte Israels von seinen Anfängen bis 1992. Seine Witwe Miriam und ihr Enkel Ben pflegen nun dieses Vermächtnis und dessen Herzstück: David Ben-Gurions Proklamation der Staatsgründung Israels 1948, zu der Rudi Weissenstein als einziger Fotograf geladen war.

Das ist das Sujet des knapp 60 Minuten langen Dokumentarfilms von Tamar Tal. Die junge israelische Filmemacherin hatte den 2011 veröffentlichten Film mit großem Erfolg auf Festivals gezeigt. Nun begeisterte er das Stuttgarter Publikum im Haus des Dokumentarfilms. In ihre erzählerischen Mittelpunkt hat die Regisseurin weniger die Bilder und auch nicht ihre historische Bedeutung gesetzt. Stattdessen bleibt sie ganz eng an den zwei Protagonisten: an Miriam und Ben. Sie sind aneinander gebunden, in Liebe zueinander und auch in gegenseitigen Sturköpfigkeiten vereint. Ihrer beider Sorge gilt den Fotografien und der Zukunft des »Photohouse«, das einem Neubau weichen soll. Doch selbst diese Handlung bietet nur einen Rahmen. Ganz im Kern erzählt »Life in Still« eine sehr menschliche Geschichte vom Durchhalten und Loslassen. 

Das anschließende Filmgespräch führten Astrid Beyer, die Kuratorin dieses Filmabends, und die aus Italien zugeschaltete Regisseurin via Skype. Das sehr emotional beim Film reagierende Publikum war auch hier ganz angetan von den Schilderungen rund um die Vorbereitungen zu dem Film und die Mitarbeit der »großen, alten Dame«. Unter anderem berichtete sie, dass sie am Ende 250 Stunden Filmmaterial zusammen hatte und viele Versionen des Filmes erstellte, bevor sie dann die endgültige fand. Die Filmemacherin lebt mittlerweile in Italien. Ihr neuer Film »Shalom Italia«, ebenfalls eine Deutsch-Israelische Koproduktion, feierte seine Premiere beim Docaviv Filmfestival 2016.

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