Bild mehrerer Menschen vor diversen Bildschirmen

»Das System Milch«

»Den Hunger der Welt werden wir nie bezwingen, wenn wir Soja und Maus in Futtertröge kippen.« Das ist nur einer Erkenntnis aus dem Dokumentarfilm »Das System Milch« von Andreas Pichler (u.a. »Das Venedig-Prinzip«). Der Filmemacher untersucht auf vielfältige Weise, was die intensive (und extensive) Herstellung von Kuhmilch wirklich bedeutet. Ein Film, der ökonomisch und ökologische Prozesse veranschaulicht – und das bei einem Produkt, das zu den wichtigsten weltweit gehört; und das deshalb auch zu einem der umkämpftesten gehört. Arte zeigt ihn bis 19. Februar 2018 in seiner Mediathek.

Milch von glücklichen Kühen hat ein hervorragendes Image. Auf den Milchtüten wird ein romantisches Bild von den Kühen in den Bergen verkauft. Doch diese Idylle ist die Ausnahme und erzählt nicht die Wirklichkeit. Milch ist heute ein wichtiger Rohstoff und zum großen Geschäft mit Milliardenumsätzen geworden. In Europa werden jedes Jahr 200 Millionen Tonnen Milch und Milchpulver produziert. Allein in Deutschland wurden 2016 insgesamt 32,7 Mio. Tonnen Milch produziert und rund die Hälfte davon exportiert. Doch die Bauern müssen um einen fairen Preis für ihr Produkt kämpfen, den sie trotz einer leichten Steigerung bis heute nicht erhalten. Viele Höfe sind gefährdet oder sind gezwungen zu expandieren, um ihre Existenz zu sichern. Die globale Milchindustrie ist umso mächtiger und global vernetzt.


Das System Milch (Arte Mediathek)

(Video laut Sender abrufbar bis 19. Feburar 2018)

Mit seinem Film »Das System Milch« blickt Regisseur Andreas Pichler (»Das Venedig Prinzip«) hinter die Kulissen der industriellen Produktion, zeigt viele Facetten und fragt nach Alternativen. Er zeigt eindringlich die Konsequenzen für Menschen, Tiere und Umwelt. Der Film macht klar, welche Verantwortung Politik und Verbraucher in einer globalisierten Welt tragen. Von daher ist »Das System Milch« eine cineastische Reise über mehrere Kontinente (Europa, Amerika, Afrika und Asien), die mit Vorurteilen aufräumt und Lösungen aufzeigt.

Nachhaltigkeit und Rücksicht auf lokale Produktionsweisen spielen dabei keine Rolle. Milch steht sinnbildlich für unser globales Streben nach Wachstum und den Wahnsinn industrieller Lebensmittelproduktion. „Das System Milch“ beleuchtet in großen Bildern (Jakob Stark, Martin Rattini), auf wessen Kosten riesige Mengen Milch produziert werden und ob das mit hohen Milliardenbeträgen subventionierte System überhaupt zu halten ist.

Der Dokumenarfilm ist eine Produktion der Stuttgarter Eikon Filmproduktion (Christian Drewing) und der Südtiroler Miramonte Film (Valerio B. Moser) als Koproduktion mit rbb und in Zusammenarbeit mit Arte.

image_pdfAls PDF speichernimage_printDrucken
Kay Hoffmann
Dr. Kay Hoffmann ist Studienleiter Wissenschaft im HDF und Gesamtkoordinator des DFG-Projekts „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“. Zusätzlich ist er seit langem Kurator der erfolgreichen DOK Premieren in Ludwigsburg.
Facebook
Twitter

Dies könnte Sie auch interessieren:

»Das System Milch«

Unsere DOK Premiere im Oktober 2017

Wieder auf großes Interesse beim Publikum stieß die DOK Premiere »Das System Milch« von Andreas Pichler. Bekannt wurde er mit seinem Dokumentarfilm »Das Venedig Prinzip« über die Probleme der Lagunenstadt mit dem Massentourismus. Das Caligari Kino war wieder einmal fast ausverkauft. Der Dokumentarfilm stellt die Aktivitäten der global agierenden Großkonzerne gegenüber den Bemühungen von ökologischen Bauern, auf dem Markt zu bestehen. Dies wird ihnen nicht einfach gemacht.

 

Neu im Kino: Das System Milch

»Den Hunger der Welt werden wir nie bezwingen, wenn wir Soja und Maus in Futtertröge kippen.« Das ist nur einer Erkenntnis aus dem Dokumentarfilm »Das System Milch« von Andreas Pichler (u.a. »Das Venedig-Prinzip«). Der Filmemacher untersucht auf vielfältige Weise, was die intensive (und extensive) Herstellung von Kuhmilch wirklich bedeutet. Ein Film, der ökonomisch und ökologische Prozesse veranschaulicht – und das bei einem Produkt, das zu den wichtigsten weltweit gehört; und das deshalb auch zu einem der umkämpftesten gehört.

Interview mit Thomas Schadt zur Doku „Das Kino ist tot, es lebe das Kino‘‘
Thomas Schadt hat mit „Das Kino ist tot, es lebe das Kino‘‘ einen Dokumentarfilm über Dieter Kosslick und seine Abschiedsberlinale gedreht. Kay Hoffmann vom Haus des Dokumentarfilms hat mit ihm darüber gesprochen.
TV-Tipp 22.1.: Das Archiv, das die Vernichtung des Ghettos überlebte

»Wer wird bleiben, wenn wir alle weglaufen«, fragte der junge Historiker Emanuel Ringelblum im Jahre 1940 eine Frau, die vor hatte, aus Warschau zu fliehen. Rachel Auerbach blieb. Und etwa 60 Mitstreiter taten es ihr gleich, wohl wissend, dass im Ghetto Hunger, Demütigung und der Tod auf sie warteten. Sie hinterließen ein bis nach Kriegsende vergrabenes Untergrundarchiv aus Tagebüchern, Fotos, Gedichten, Zeichnungen und NS-Schreiben. Im Dokumentarfilm von Roberta Grossmann wird »Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto« (im Ersten am 22. Januar 2019) zu einem Zeugnis, das Hass und Terror überdauert hat.