Auszug aus neuem Dokumentarfilm "Vertreibung ins Paradies" von Annekatrin Hendel

Fernsehpremiere: “Vertreibung ins Paradies”

Annekatrin Hendels neuester Dokumentarfilm „Vertreibung ins Paradies“ fängt ein, was unerwartet im Frühjahr 2020 Wirklichkeit wurde: der erste harte Lockdown als Maßnahme gegen die Ausbreitung von COVID-19. Am 03.03. startet die Doku in der ARD-Mediathek.

Alle bleiben zu Hause, das Wetter ist fantastisch und die ersten Tage fühlen sich an wie Urlaub. Keine Schule, keine Arbeit, keine Termine. Alles könnte so schön sein.

Im Lockdown plötzlich Großfamilie

Während die Corona-Pandemie zur ernsthaften, weltweiten Bedrohung wird, beginnt die Regisseurin ihren Familienalltag in der Isolation zu filmen. Die zufällig neu zusammengewürfelte Patchwork-Familie – die Regisseurin, ihr Sohn, ihr Lebenspartner und dessen Tochter mit Freund – wird zum Zentrum. Das eigene Zuhause in einer Ortschaft vor den Toren Berlins zum „Filmset“, von der Außenwelt so gut wie abgeschnittenen.

Herausgerissen aus dem Rausch der Vollbeschäftigung prallen Jung und Alt, Bayern und Preußen, Stillstand und Aktionismus, Ost und West, Hoffnung und Nihilismus aufeinander. Prognosen, wann der Lockdown vorbei sein könnte, werden in regelmäßigen Abständen hoffnungsvoll gemacht, Vorräte für gut drei Wochen eingekauft, der Garten neu angelegt, Fahrradtouren als Befreiung von der Enge der vier Wände unternommen. Es sind ehrliche, ungeschönte Aufnahmen, die auch Konflikte zulassen.

Portrait von Annekatrin Hendel
Auszug aus "Vertreibung ins Paradies" neue Doku von Annekatrin Hendel

Annekatrin Hendel ist eine berührende und heitere Momentaufnahme ihrer Familie in dieser Ausnahmesituation gelungen. Matilda, Komponistin der Filmmusik und zurzeit des Lockdowns zu Besuch bei ihrem Vater, fasst am Ende des Films in Worte, was vielleicht viele im Frühjahr vor einem Jahr erlebt haben: „Das war das erste Mal ohne Ende. Das war zum ersten Mal so unbegrenzt.“

„Vertreibung ins Paradies“: Kinopremiere im Fernsehen

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) zeigt den Film genau ein Jahr nach dem ersten Lockdown in Deutschland am 17. März 2021 um 23 Uhr. Produziert wurde der Dokumentarfilm für die große Leinwand, doch „wenn alle Kinos zu sind, dann machen wir eben ,Welturaufführung‘ im Fernsehen“, sagt die renommierte Regisseurin Annekatrin Hendel. Bereits ab dem 3. März kann „Vertreibung ins Paradies“ in der ARD-Mediathek abgerufen werden. 

Vor seinem Ausstrahlungsstart in der ARD-Mediathek am 03.03.2021 war Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms mit der Filmemacherin im Gespräch. Das gesamte Interview lesen Sie in „‘Vertreibung ins Paradies‘: Interview mit Annekatrin Hendel“. Darin ging es unter anderem um den Farbverzicht im Film, die Bedeutung des Filmemachens während Corona und die Reflektion des Lockdowns während dem Schnitt.

Vertreibung ins Paradies, Dokumentarfilm, Deutschland 2021, 82 Minuten, Regie: Annekatrin Hendel

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Astrid Beyer
Astrid Beyer kuratiert seit zehn Jahren den Branchentreff DOKVILLE für das Haus des Dokumentarfilms und setzt Veranstaltungen wie die Meisterklassen sowie Online-Gesprächsformate um.
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