Andres Veiel neben Nina Kunzendorf bei einem Pressetermin zur ARD-Themenwoche #wieleben (Foto; Thomas Ernst/rbb)

Andres Veiel zu „Ökozid“: „Wir wollten in die Primetime“

Wir schreiben das Jahr 2034. Als Folge der Klimakrise sind zahlreiche Länder dem Untergang geweiht. Sie klagen und fordern Schadenersatz! Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms sprach mit dem Regisseur und Autor über seinen vieldiskutierten Film „Ökozid“.

„Ökozid“: Wer trägt die Verantwortung?

Die Folgen der Klimakatastrophe sind dramatisch. Dürre und Hochwasser vernichten die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Der Internationale Gerichtshof lädt ranghohe Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Industrie als Zeugen in einem beispiellosen Prozess, darunter auch die 80-jährige Angela Merkel. Geklärt werden soll die Frage, ob die deutsche Politik für ihr Versagen beim Klimaschutz zur Verantwortung gezogen und damit ein Präzedenzfall geschaffen werden kann.

Klimapolitik zur besten Sendezeit

Der Spielfilm „Ökozid“ lief am 18. November 2020 zur Primetime im Ersten und war ein wichtiger Teil der ARD-Themenwoche #wieleben nebst Themenabend „Klimakrise – Wie wollen wir leben?“. Eine mutige Entscheidung der Programmverantwortlichen, denn weder Thema noch Umsetzung sind geschmeidige Feierabendlektüre. Angedacht war die Verarbeitung des Stoffes anfangs als Dokumentarfilm, aber „uns war es wichtig, mit der Aufarbeitung der deutschen Klimaschutzpolitik nicht eine kleine Minorität um 23 Uhr zu erreichen, sondern die Fragestellungen so aufzubauen und zu verpacken, dass wir tatsächlich in der Primetime landen“, sagt Andres Veiel im Gespräch mit Astrid Beyer vom Haus des Dokumentarfilms. Der Regisseur ist bekannt für seine minutiös recherchierten Dokumentarfilme, wie „Black Box BRD“, „Die Spielwütigen“ oder „Beuys“.

Andres Veiel im Interview mit Astrid Beyer (HDF) über „Ökozid“

Hinweis
„Ökozid“ ist bis Mitte Februar 2021 in der ARD-Mediathek verfügbar. Die Koproduktion von Zero One Film mit rbb, NDR und WDR für das Erste (Drehbuch: Andres Veiel, Jutta Doberstein; Regie: Andres Veiel) wartet mit hochkarätigen Schauspieler*innen, darunter Edgar Selge, Ulrich Tukur, Nina Kunzendorf, Friederike Becht und Martina Eitner-Acheampong auf. Der Polit-Talk mit Sandra Maischberger zu dem Thema „Die Klimakrise – Deutschland auf der Anklagebank“ kann zudem als Audiopodcast auf der ARD-Internetseite heruntergeladen werden.

Filmstills aus „Ökozid“ (ARD-Themenwoche #wieleben)

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Astrid Beyer
Astrid Beyer kuratiert seit zehn Jahren den Branchentreff DOKVILLE für das Haus des Dokumentarfilms und setzt Veranstaltungen wie die Meisterklassen sowie Online-Gesprächsformate um.
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Meisterklasse: Wie Andres Veiel mit seinen Themen arbeitet

Sieben Stunden mit einem der wichtigsten deutschen Dokumentarfilmer. Diese Chance haben mehr als 30 Interessierte genutzt und sich zur »Meisterklasse Andres Veiel« im Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms getroffen. Der Tag bot ein intensives Gespräch zwischen dem Filmemacher, der Kuratorin Astrid Beyer und dem Publikum. Filmemacher Veiel zeigte unter anderem ein alternatives Ende für seinen letzten großen Dokumentarfilm »Beuys«. Immer wieder drehte sich das Thema um die Authentizität des dokumentarischen Films.

Andres Veiel: Schwierigere Bedingungen für Dokumentarfilmer

Auf dem traditionelle Ökumenischen Empfang während der Berlinale sind die Kirchenvertreter auf die einschneidenden Folgen der Digitalisierung eingegangen. Ehrengast war der Filmemacher Andres Veiel (u.a. »Beuys«, »Blue Box BRD«). Er berichtete von stark veränderten Arbeitsbedingungen. Langzeitbeobachtungen wie sein Film »Die Spielwütigen« seien heute kaum mehr möglich. Es werde heute »kurzatmiger gedacht«, sagte er.

Meisterklasse mit Andres Veiel in Stuttgart

Am Freitag, den 19. Oktober 2018, setzt das Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart seine Reihe »Meisterklasse« fort. Erfahrene Dokumentarfilmautoren und -regisseure geben hier Einblick in ihre Arbeit. Diesmal wird der renommierte Autor, Theater- und Filmregisseur Andres Veiel zu Gast sein. Der auf 25 Teilnehmende begrenzte Workshop steht unter dem Titel »Inszenierung und Authentizität« und will Andres Veiels »Strategien des dokumentarischen Erzählens« ergründen. Die Teilnahmegebühr beträgt 40 Euro (Studierende 30 Euro).

»Beuys« von Andres Veiel

Jahrelange hat er recherchiert und vorbereitet und als dann endlich alles Material zusammen war, dauerte der Schnitt ganze 18 Monate. Die Geduld des Produzenten Thomas Kufus (zero one film) und des Filmemachers Andres Veiel indes hat sich ausgezahlt. Im Schneideraum wurde »Beuys« zu einem Meilenstein, »Beuys« war schon in seinem Veröffentlichungsjahr 2017 einer der wichtigsten Dokumentarfilme des Jahres. Mit ein wenig Zeit und einigen Filmpreisen später zeigt sich, dass hier ein Meisterwerk gelungen ist. Arte zeigt den FIlm noch bis 9. Oktober in der Mediathek. Ein Pflichttermin.